Die Wikinger
  Kultur
 
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Kultur der Wikinger

Aufgrund von Funden und Ausgrabungen läßt sich inzwischen ein erstaunlich konkretes Bild einer Kultur zeichnen, von der nur wenig schriftliche und bildliche Überlieferungen aus verzerrter christlicher Sicht überliefert sind. Entgegen landläufigen Vorstellungen waren übrigens 95 % der Wikinger seßhaft, und nur ein kleiner Anteil auf hoher See unterwegs. Insofern ist der dem Skandinavischen entlehnte Name Wikinger durchaus irreführend, bezeichnet er doch Skandinavier auf Beutefahrt, also beim Plündern, Morden oder Handeln. 
Die Kleidung der Wikinger zeigt sowohl regionale als auch Standesunterschiede. Während Sklaven einfache und ungefärbte Kleidung trugen, gab es für Männer wie für Frauen auch vergleichsweise farbenprächtige Kleidungsstücke, zum Teil mit Goldperlen und -fäden und Stickereien verziert. Schuhe waren nicht überall üblich, aber in einigen Siedlungen vorhanden. Auch eine eigene Frisurenmode läßt sich ausmachen, die abweicht vom seeräuberähnlichen Bild des wilden und ungepflegten Wikingers. So nahm denn auch die Herstellung der Kleidung neben der Zubereitung von Speisen den wichtigsten Teil der häuslichen Tätigkeiten bei den Wikingern ein. Aber auch die Zubereitung der beiden täglichen Mahlzeiten am Morgen und am Abend nahm viel Zeit in Anspruch, wobei die Speisen sich vor allem nach dem vor Ort verfügbaren Angebot richteten.

Neben Fisch und Getreide standen Tiere (vor allem Lamm, Rind, Schwein, Ziege und Pferd, hier und da auch Hunde, Katzen und Gänse) sowie Wildkräuter und -früchte auf dem Speiseplan vieler Wikinger. Kohl, Erbsen und Zwiebeln gehörten zu den wichtigsten Gemüsearten, also Gemüse, die die skandinavische Volksküche bis heute prägen. Wo kein Getreide angebaut wurde, hat man Brot sogar aus Erbsen und Kiefernborke hergestellt. Insbesondere die Getreideprodukte enthielten durch die groben Mühlsteine immer wieder Kies und andere Verunreinigungen, so daß schlechte Zähne die logische Folge waren. Salz zur Haltbarmachung von Speisen wurde aus Meerwasser gewonnen. Auch Einlegen in Salzwasser oder Trocknen waren als Konservierungsmethoden bekannt.

Die Wikingerfrauen stellten Bier und Met her, auch Obstweine waren bekannt. Dabei wohnten die Familien überwiegend in Gemeinschaftshäusern oder auf großen Gutshöfen. Auch die Sauna war bereits erfunden: In einer Art Schwitzbad fand auch die Körperpflege statt. Die einzelnen Siedlungen waren weitgehend autark. Die Nahrung wurde selbst hergestellt bzw. konserviert, die notwendigen Geräte wurden selbst geschnitzt, auch die angesehenen Schmiede waren in jeder größeren Ansiedlung vertreten.

Filigrane Holzschnitzereien trauen die wenigsten der wikingischen Kultur zu. Doch in der Tat gab es, vor allem in den größeren Siedlungen Spezialisten für kunsthandwerkliche Tätigkeiten und Verzierungen aller Art. Dabei hatten die kunsthandwerklichen Verzierungen als solche keinen praktischen Wert, zierten aber fast ausschließlich Gebrauchsgegenstände.



Brot backen wie die Wikinger
Erst jung ist die Beschäftigung mit den geistigen Hintergründen der Darstellungen und kunsthandwerklichen Motive der Wikinger. Doch gerade die Verwurzelung in der germanischen Mythologie hat geholfen, die scheinbaren Widersprüche zwischen dem wilden und rohen Krieger und dem kunsthandwerklich und ästhetisch versierten Wikinger aufzulösen. Nur die Wikinger, die im tapferen Kampf fielen, gelangten in das Kriegerparadies Valhall. Die überraschende Toleranz der Wikinger in Bezug auf die Religion sogar innerhalb der eigenen Familie erklärt die Schwierigkeiten der christlichen Missionierung: Für viele Wikinger war es unproblematisch neben ihren eigenen religiösen Vorstellungen eine weitere zu übernehmen, ohne sich dabei vom bisherigen Glauben lösen zu müssen.
Mehr als einmal haben sich scheinbar missionierte Wikinger als sehr flexibel erwiesen, und haben aus beiden Glaubensrichtungen quasi die Rosinen herausgepickt, d.h. christliche Elemente aufgenommen, ohne sich eindeutig zum Christentum zu bekennen. Auch traten viele Wikinger angesichts der von Christen angedrohten Apokalypse zur ersten Jahrtausendwende "vorsichtshalber" zum Christentum über. Dennoch hat die schrittweise Übernahme christlicher Einflüsse letztlich zum allmählichen Verschwinden einer eigenen Wikingerkultur und zur Anpassung an die mitteleuropäische mittelalterliche Kultur beigetragen. Gänzlich neu für die Wikinger war die Unterscheidung zwischen Gut und Böse im Christentum, da ihnen moralische Kategorien im mitteleuropäischen Sinne fremd waren. Sie unterschieden zwischen nützlichen und bedrohlichen Kräften und glaubten nicht an eine überirdische richtende oder strafende Instanz, was zum Ruhm ihres Muts und der fehlenden Angst beigetragen haben mag.

  Nachempfinden der Kleidung und Nahrungszubereitung

Die ersten Missionierungsversuche fallen schon in das 9. Jahrhundert, als der heilige Ansgar von Hamburg und später - nach einem Wikingerüberfall - von Bremen aus versuchte, die Wikinger zu christianisieren. Seine Reisen führten ihn bis nach Birka auf der Höhe des heutigen Stockholm.

Der Thing war die Versammlung der freien Wikinger bzw. - in Zeiten der sich bildenden regionalen oder staatsähnlichen Gebilde und schließlich der skandinavischen Staaten - ihrer Anführer. In zum Teil tage- oder wochenlangen Treffen unter freiem Himmel, häufig zur Zeit der Sommersonnenwende, wurden Regeln und Gesetze ausgearbeitet und Urteile in Streitfällen getroffen.


       

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